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Neurowissenschaftliche Forschung zur Empathie

Von Heinz-Dieter Penno 9. November 2020

Menschen haben ein tiefes Bedürfnis, wahrgenommen zu werden. Den Wunsch, sich gesehen, gehört und verstanden zu fühlen. Das Zauberwort heißt: Empathie. Wahrgenommene Empathie erzeugt bei allen Menschen Wertschätzung! Empathie tut auch dem gut, der empathisch ist.

Wissenschaft im Brennpunkt: Neurowissenschaftliche Studien zeigen, das Empathie ein komplexes Konstrukt aus kognitiven und emotionalen Prozessen ist. Einerseits gibt als Ausprägung von Empathie das "Heinein-Denken", andererseits das "Einfühlen". Beide empathischen Fähigkeiten sind bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. 

Empathie meint ursprünglich, die Welt aus der Perspektive einer anderen Person zu fühlen und wahrzunehmen (Gerdes, 2011). Empathie umfasst Selbstaufmerksamkeits-, Perspektivenübernahme- und  Emotionsregulationsprozesse (Decety&Lamm, 2006).

Empathie ist essentiell für das Gelingen sozialer Interaktionen und Empathieerleben resultiert aus einem dynamischen, flexibel regulierbaren Prozess. Dieser basiert auf dem Zusammenspiel mehrerer neuronaler Regelkreisläufe. Die Generierung einer empathischen Reaktion kann auf zwei Wegen erfolgen. Sind ausreichend visuelle Hinweisreize vorhanden, wird - wie im Perception-Action-Modell und der Shared-Network-Hypothese beschrieben - durch Simulation ein affektiver Zustand beim Beobachter induziert (Engen & Singer, 2013; Fan, Duncan, et al., 2011; Lamm et al., 2011).

Zur aktuellen neurowissenschaftlichen Forschung zählen unter anderem auch die emotionale Ansteckung, Theory of Mind und Mentalisierung.

Unter emotionaler Ansteckung ist eine automatische emotionale Reaktion auf den Zustand einer anderen Person zu verstehen. Der Beobachter differenziert hierbei nicht zwischen Fremd- und Selbsterleben.

Fehlen visuelle Hinweisreize, so wird die empathische Reaktion abstrakt generiert. Diese Fähigkeit wird als Mentalisierung bezeichnet. Sie beruht auf Vorwissen sowie Erfahrung und ermöglicht mentale Repräsentationen des affektiven Zustands eines Gegenübers. Theoretischer Hintergrund Amodio & Frith, 2006; Engen& Singer, 2013; Frith & Frith, 2006; Mitchell, 2009; Van Overwalle & Baetens,2009.

Mentalisierung und Theorie of Mind (ToM) bezeichnen überwiegend kognitive Prozesse. Nach Engen und Singer findet Mentalisierung im Rahmen der Generierung einer empathischen Situation statt. Theory of Mind ist als Fähigkeit zur mentalen Einnahme der eigenen Perspektive oder der Perspektive einer andern Person definiert (Frith&Frith, 1999) Dieses bezieht sich zum einen auf das Gefühlserleben einer anderen Person, als auch auf Pläne, Ziele und Intentionen des Gegenübers.